#MehrPlatzfürsRad – Aktionen in Essen
Der ADFC hat in diesem Jahr bundesweit die Kampagne #MehrPlatzfürsRad ins Leben gerufen. Dazu haben ADFC-Verbände in vielen Städten Aktionen durchgeführt – so in diesem Sommer auch in Essen.

Poolnudel-Radtour
Als erste Aktion hat der ADFC Essen Ende Juli eine „Poolnudel-Tour“ durchgeführt. Damit sollte auf den oftmals viel zu geringen Seitenabstand vorbeifahrender Autos aufmerksam gemacht werden. Bekanntlich müssen Autofahrer beim Überholen von Radfahrern einen Seitenabstand von mindestens 1,50 Metern einhalten, was aber gerade im innerstädtischen Verkehr nur in den seltensten Fällen auch wirklich eingehalten wird. Besagter Mindestabstand ist aber ein elementarer Bestandteil für mehr Sicherheit beim Radverkehr. Um dies zu unterstreichen, wurden die Schwimmhilfen einfach quer auf den Gepäckträger geschnallt, damit das Fahrrad optisch breiter wirkt.
Mit Poolnudeln entsprechend ausgerüstet starteten 18 Radler von der Essener City aus auf eine ca. 15 Kilometer lange Rundtour. Die Route führte über Stadtstraßen jeglicher Couleur, wobei auch Radfahrstreifen befahren wurden. Letztere sind in Essen vielfach zu schmal, so dass Autofahrer selbst hier oft mit viel zu geringem Seitenabstand überholen. Die Aktion selbst hat tatsächlich auch Wirkung gezeigt: viele Autofahrer hielten erstaunlich großen Seitenabstand zu der Radlergruppe. Auf schmaleren Straßen versuchte kein Autofahrer, sich wie sonst häufig erlebt dicht an den Radlern vorbei zu quetschen. Und selbst auf den oftmals viel zu schmalen Radstreifen fühlten sich die Teilnehmer dieses Mal sich sehr sicher, da ihnen kein Auto zu nahe kam.
Da diese erste Aktion an einem Samstag mit relativ geringem Verkehrsaufkommen stattfand, äußerten einige Teilnehmer den Wunsch, eine solche Aktion auch zu verkehrsstärkeren Zeiten innerhalb der Woche durchzuführen. Damit könnte die Intention noch stärker verdeutlicht werden. Der ADFC Essen wird diesem Wunsch nachkommen, bereits Mitte September ist eine zweite Poolnudel-Tour an einem Mittwochnachmittag geplant.
ProtectedBikeLine in Altenessen
Als zweite Aktion richtete der ADFC Essen zeitlich befristet auf der Altenessener Straße eine „ProtectedBikeLine“ ein. Dabei handelt sich um eine geschützte Radfahrspur, die zum einen platzmäßig dem von der Stadt Essen prognostizierten Anstieg des Radverkehr entspricht, zum anderen verstärkt den Sicherheitsbedürfnissen von Radfahrern im dichten Stadtverkehr entgegenkommt. Etwa 40 Aktivisten beteiligten sich an der Aktion, aber auch etliche zufällig vorbeikommende Radler haben die unerwartete Gelegenheit genutzt, endlich einmal diesen gefährlichen Bereich sicher und bequem passieren zu können. Prominentester Unterstützer der Aktion vor Ort war der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg.
Die Altenessener Straße ist seit den 1990er Jahren elementarer Bestandteil der Nord-Süd-Achse im städtischen Hauptradroutennetz. Gezielt wurde für die Aktion der Abschnitt zwischen Palmbuschweg und Krablerstraße ausgewählt. Beim Umbau nach Stilllegung der Straßenbahn vor gut 20 Jahren wurden in diesem Bereich lediglich in Fahrtrichtung Norden mehr schlecht als recht Radverkehrsanlagen geschaffen. In Fahrtrichtung Süden klafft dagegen seither eine dicke Lücke, zu der es auch keine Alternativroute gibt. Der Grund: Um einen normgerechten vierspurigen Ausbau für den Autoverkehr zu gewährleisten, fehlte es hier schlichtweg an Platz. „Radfahrer müssen auch mal verlieren können“ hieß es damals lapidar aus Politik und Verwaltung.
Die Radfahrer, die sich – wenn überhaupt – über diese vielbefahrene Hauptverkehrsstraße trauen, weichen mitunter auf den ohnehin schon äußerst schmalen Gehweg aus – alles in allem ein untragbarer Zustand. Bekanntlich möchte die Stadt den Anteil des Radverkehrs bis zum Jahr 2035 auf 25% steigern. Dem muss auch mit dem Ausbau einer entsprechend angepassten Infrastruktur Rechnung getragen werden. Die zeitlich begrenzte Aktion des ADFC Essen mit der Umwidmung einer Autofahrspur zu einer „ProtectedBikeLane“ hat maßgeblich dazu gedient, die Notwendigkeit von geschützten Radfahrspuren nachhaltig zu untermauern.
Jörg Brinkmann








